Segler-Garn: Riffe, Sirenen und eine Afrikanerin

Theater Konstanz ? Die Afrikanerin nach Giacomo Meyerbeer und Eugéne Scribe  (Foto: NN/ Theater Konstanz)
Theater Konstanz ? Die Afrikanerin nach Giacomo Meyerbeer und Eugéne Scribe (Foto: Ilja Mess/ Theater Konstanz)

Theater auf dem Wasser? Gibt’s nicht, gibt’s doch. Auf der ersten Binnenfähre Europas, auf dem Bodensee, spinnen die Akteure Segler-Garn…


Es geht um die Geschichte des Seefahrers Vasco da Gama, der als einziger Überlebender von einer Entdeckungsreise zurückkehrt. Als Beweis für die Entdeckung fremder Länder hat Vasco die Königin Selica und Hauptmann Nelusco als Sklaven mitgebracht. Doch die Inquisition, in der Inszenzierung etwas übertrieben dargestellt, sie kerkert ihn ein und verhindert eine weitere Reise Vascos.

Ines, Vascos Verlobte, heiratet dann ausgerechnet seinen Widersacher Don Pedro. Ihre Bedingung: Vasco soll befreit werden. Eine neue Expedition unter der Führung von Don Pedro macht sich auf den Weg in Selicas Heimat.

Die Gegensätze zwischen den Kulturen werden in diesem Stück deutlich, wundert man sich doch zum Spielende über die neuen Insignien auf der Brust des Klerus. Statt Kreuz dann diverseStammesreligionen.

Die Oper „L’Africaine“ hinterfragt das Verhältnis von Fremde und Heimat, Macht und Liebe, Religion und Wissenschaft. „Die Afrikanerin“ wird vom Veranstalter als „hochromantische Grand Opéra“ beschrieben.

200 Beteiligte auf dem Wasser, in den Werkstätten

Mit zweihundert Beteiligten, darunter Schauspieler, klassische Sänger, eine Jazzsängerin und der Chor. Mit ihnen zusammen, wäre die Fähre wohl untergegangen. Auf dem Wassser waren es um die 50. Auf der historischen, klein und fein restaurierten „Meersburg ex Konstanz“ ein echtes Raumwunder.

Und genau das macht den Charme dieser Oper aus. Das Setting von Fähre und See, die Kombination von Musical-Elementen mit Oper, Weltmusik und Chanson. Da wirken die Gitarrenklänge Vascos nicht albern, sondern sie passen ins Konzept. Und in diesem glänzt der Titelstar, die Jazzsängerin.

Ende gut, alles gut? Nicht ganz

Wehmütig blickt Selica am Ende des fünften Aktes dem Schiff nach, das Vasco da Gama und Ines nach Portugal zurückbringen soll. Dabei atmet sie tief den Duft des Manzanillobaumes ein, der auf Menschen tödlich wirkt, wenn sie zu viel davon abbekommen…

Veranstaltung im Rahmen des Internationalen Festivals am Bodensee 2012.

Mehr Infos beim Stadtheater Konstanz.

Artikelbild: © Ilja Mess/ Theater Konstanz

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